Prof. Alfred-Maurice de Zayas: „Die EU interessiert sich nur für Macht und Geld“

Alfred-Maurice de Zayas im Gespräch mit David Berger über die Islamisierung des Westens sowie die Rolle des Christentums und seiner Werte für die „Reconquista“ des Abendlandes.

Prof. Dr. Alfred-Maurice de Zayas, Jahrgang 1947, ist US-amerikanischer und Schweizer Staatsbürger. Er wuchs in Chicago auf, lehrte in den USA, Canada, und Spanien und lehrt heute an der Geneva School of Diplomacy in Genf. Er ist pensionierter UNO-Beamte, ehemaliger Chef der Beschwerdeabteilung im Büro des UNO-Hochkommissars für Menschenrechte und Sekretär des UNO Menschenrechtsausschusses.

Von Mai 2012 bis April 2018 war er Unabhängiger Experte des Menschenrechtsrats der Vereinten Nationen. Er ist Mitglied im Kuratorium der Desiderius-Erasmus-Stiftung und Beiratsmitglied des Zentrums gegen Vertreibungen des Bundes der Vertriebenen (BdV) in Berlin. Felizitas Küble schrieb über ihn:

„Prof. Dr. Alfred de Zayas scheut keinen Konflikt mit der political correctness, wenn es um Wahrheit und Gerechtigkeit geht.“

***

David Berger: Herr Professor, Sie gelten als einer der besten Kenner der Geschichte der Vertreibungen (und damit indirekt auch der Flüchtlingsthematik) in Europa im 20. Jahrhundert bis heute. Vor einigen Tagen hat die deutsche Bundeskanzlerin die in Deutschland stark zugenommen Massenzuwanderung seit 2015 mit der Wiedervereinigung 1989 verglichen (Wir berichteten). Ist solch ein Vergleich historisch tragbar?

Prof. Alfred-Maurice de Zayas: Ein derartiger Vergleich ist hirnverbrannt, Demagogie, eine billige Geschichtsklitterung, unwürdig einer Bundeskanzlerin, unwürdig einer ernst zu nehmenden Politikerin. Diese Art zu Argumentieren bestätigt die These von Thilo Sarrazin: „Deutschland schafft sich ab“.  Die politische Kultur in den USA, Großbritannien, Frankreich, Spanien, Deutschland ist seit Jahrzehnten beklagenswert.

David Berger: Aber da gibt es doch noch die EU, die als Korrektiv wirken könnte?

Prof. Alfred-Maurice de Zayas: Die EU ist eine leere Schale geworden, die nur Lippenbekenntnisse zu Menschenrechten abgibt, die Menschenwürde aber tagtäglich untergräbt. Die EU interessiert sich nur für Macht und Geld, nicht für Werte und Gerechtigkeit. Ganz offensichtlich haben viele den Sinn für Wahrheit und Verhätnismäßigkeit verloren. Es gelten Opportunismus, Slogans, Diffamierungen des Gegners. Wo bleiben die traditionellen Werte wie Anstand, Aufrichtigkeit, Ehre, Treue, Zuverlässigkeit?  Sie sind abhanden gekommen.

David Berger: Politiker und Kirchenmänner aus den USA sowie Mittel- und Osteuropa führen immer wieder an, dass mit der Immigrationsflut nach Europa auch die Islamisierung des Abendlandes verbunden ist. Ja, dass sie ganz gezielt durch die Flüchtlingswelle vorangetrieben wird. Eine unsinnige Verschwörungstheorie oder ist da etwas dran?

Prof. Alfred-Maurice de Zayas (Foto links (c) privat): 1386 unterlag das Christentum den Aggressionen der Osmanen bei Kosovo. 1453 fiel Konstantinopel, erobert durch Sultan Mehmed II. Der Kaiser von Byzantium Konstantin XI. fiel und somit endeten die beinahe 1500 Jahre des West- und Ost-römischen Reiches. Die Aggressionen der Osmanen und die Islamisierung größerer Teile Osteuropas führten zur Okkupation und Islamisierung der Gebiete, die wir heute als Griechenland, Albanien, Bulgarien, Serbien, Ungarn kennen und die Jahrzehnte lang unter der osmanischen Besetzung lebten. Die Expansionslust der Osmanen bedrohte auch Wien in den Jahren 1529 und wieder 1683.

Die geschichtliche Entwicklung Europas, der europäischen Identität, Kultur, Kunst, Musik, der christlichen Wertegemeinschaft, der Ideen der Aufklärung und der Demokratie, wäre entschieden anders verlaufen, wenn die türkische Belagerung Wiens durch 120.000 Mann erfolgreich gewesen wäre. Was durch Waffen damals nicht gelang, droht heute durch die Immigrationsflut nach Europa zu geschehen.

Manche Politiker tun, als ob das Recht auf die eigene Kultur und Identität, das Recht auf die eigene Geschichte, auf die eigenen Werte, auf die Familie, auf die eigenen Meinungen – eben nicht fundamentale Menschenrechte wären, die in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und in den UNO Menschenrechtspakten sowie auch im Naturrecht verankert sind.

David Berger: Das klingt sehr aussichtslos?

Prof. Alfred-Maurice de Zayas: Eine gefährliche Manipulation der öffentlichen Meinung durch Regierung und Medien, eine gezielte Desinformationskampagne, eine Orwellsche Umdeutung der Werte, eine gezielte Unterminierung der Menschenwürde durch eine „Menschenrechtsindustrie“ sind im Gange.

Aber es ist noch nicht zu spät, Contra zu geben. Eine Reconquista ist noch möglich.  Im übrigen lohnt es sich – noch immer! – Oswald Spenglers „Der Untergang des Abendlandes“ wieder zu lesen.

David Berger: Wie ist ihre Prognose für die Zukunft Europas? Wird sich Europa in den nächsten Jahrzehnten in ein Eurabia verwandeln, in dem – etwa in Deutschland – das Grundgesetz durch die Scharia abgelöst wird? Oder ist das „islamophobe Panikmache“?

Prof. Alfred-Maurice de Zayas: Demokratie heißt Volkssouveränität. Die Völker Europas können sich wehren, wenn sie ihre eigene Kultur, Religion, Traditionen bewahren wollen. Politiker in mehreren europäischen Staaten – vor allem in Deutschland und Frankreich – haben gründlich versagt, und das, was man von ihnen liest, ist allzuoft verlogen.

Sie behaupten „Demokraten“ zu sein, leiden aber an Demophobie – die Angst vom Volk und von Volksbefragungen. Ich bin nun Schweizer und schätze die direkte Demokratie in der Schweiz, wodurch die Bürger sich durch Initiativrecht und Referenten zu Wort melden und die Politik tatsächlich beeinflussen. Man muss sich vor allem gegen EU-Totalitarismus und EU-Einmischung wehren.

Brüssel setzt die falschen Prioritäten und der Europäische Menschenrechtshof in Strasbourg folgt dem Zeitgeist, der künstlichen Multi-Kulti Ideologie und damit der Zersetzung. Wir wollen aber nicht zu Robotern und Konsumenten mit Pseudo-Rechten degradiert werden.  Es ist nicht zu spät, unsere Rechte zu behaupten und Widerstand zu leisten.

David Berger: In einer Auseinandersetzung mit Amnesty International zum Thema Abtreibung bezeichnen Sie sich selbst „als Katholik“ und sprechen von den „geliebten Päpsten Johannes Paul II und Benedikt XVI“. Welche Rolle könnten christliche Werte im Rahmen der Islamisierung des Abendlandes spielen? Oder sollen wir lieber auf einen radikalen Säkularismus bzw. Atheismus setzen, wenn es um das Überleben unserer Werte und der damit verbundenen Kultur geht?

Prof. Dr. Alfred-Maurice de Zayas: Die europäische Geschichte ist eben untrennbar vom Christentum. Viele der Probleme, die wir heute erleben und erleiden, gehen auf den Verlust des christlichen Glaubens zurück, auf unseren narzisstischen Säkularismus, auf unseren materialistischen Sonderweg gegen die verbindenden Werten des Neuen Testaments, auf die Verfälschung und Unterminierung des Glaubens durch manche protestantische und katholische Bischöfe.

Man sollte sich direkt auf Jesus besinnen, auf jenes Gebot «Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!» (Mk 12, 31). Dies bedeutet, als conditio sine qua non Menschenfreund zu sein, man muss aber ebenfalls sich selber achten. Wer mit sich selber nicht klar kommt, mag behaupten, die «Menschheit» zu lieben. Aber eine echte Beziehung zu anderen wird nicht zustande kommen. Nächstenliebe beginnt ja bei uns, Caritas muss auch für uns selber bestehen. Selbstverleugnung ist Sünde. Die Kult um die Schuld in den deutschen Medien, in den deutschen Universitäten und in der deutschen Gesellschaft ist ein schändlicher Sonderweg, verlogen und unbarmherzig.

In der Tat leben wir in einer bewegten und konfusen Zeit. Eine religiöse Neubesinnung tut not. Sonst droht der Zerfall der Demokratie und des Rechtsstaats. Seneca mahnt uns: Calamitas virtutis occasio („De providentia“ 4, 6): Eine Katastrophe gibt die Gelegenheit, seinen Mut zu beweisen. Darum sagen wir mit Immanuel Kant: „Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“

David Berger: Wie würde das konkret aussehen?

Prof. Dr. Alfred-Maurice de Zayas (Foto rechts, mit Julian Assange (c) privat): Wir können und sollen den Opfern des Krieges in Syrien, Yemen, Gaza helfen. Zunächst müssen wir uns für den Frieden einsetzen, die Mediation fördern, den Verkauf von Waffen an Saudi Arabien, Israel usw. einstellen. Wir sollen den Wiederaufbau Syriens, Yemens und Gazas unterstützen und von den Aggressoren USA, Israel, Saudi Arabien Rechenschaft verlangen.

Wir sollen die Kriegstreiber vor den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag bringen.  Was die afrikanischen Migranten betrifft, müssen wir ihnen vor allem in ihren eigenen Ländern helfen. Dort sollen wir die Infrastruktur stärken. Dort sollen wir helfen, damit dort Arbeitsplätze entstehen und eine bessere Zukunft auch für diese Menschen möglich wird.

David Berger: Ich danke Ihnen ganz herzlich für das Gespräch!

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