Starthilfe für Flüssiggas

Gastbeitrag von US-Botschafter Grenell und dem stellvertretenden US-Energieminister Brouillette

Die USA, Deutschland und die Europäische Union haben die Chance, einen neuen Abschnitt ihrer langjährigen Beziehungen einzuläuten, der den Bürgern aller Länder zugutekommen und die Sicherheit des transatlantischen Bündnisses stärken kann. Die Chance liegt im Bereich der Energie, in der gemeinsamen Ergründung wettbewerbsfähiger Wege, den US-Erdgasreichtum zur Förderung der Energievielfalt in der EU zu nutzen, um so ihre Energiesicherheit zu stärken. Europäische Regierungen suchen schon lange nach verlässlichen, breit gefächerten Energiequellen und arbeiten gemeinsam daran, die Energiesicherheit Europas zu fördern. Sie tun dies, weil ein diversifiziertes Energieportfolio bedeutet, dass kein Land und kein Unternehmen unverhältnismäßigen Einfluss auf Millionen Europäerinnen und Europäer nehmen und kein einzelner Versorger und keine einzelne Quelle die Entscheidungen freier Bürgerinnen und Bürger übermäßig beeinflussen kann.

In Deutschland hat Kanzlerin Angela Merkel bereits erklärt, sie begrüße die Idee, dass mehr US-Unternehmen Flüssigerdgas liefern könnten, und Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat das während seines Besuchs in Washington im Juli für ganz Europa unterstrichen. Und die USA sind in der Lage zu liefern.

Flüssiggas kann Europa in seinen jahrelangen Bemühungen, den Energiemarkt zu diversifizieren, entscheidend weiterbringen, die Energiesicherheit so stärken und die übermäßige Abhängigkeit von einem einzelnen Erdgaslieferanten reduzieren. Flüssiggas ist auch ein idealer Begleiter erneuerbarer Energien, die Teil des Energiekonzepts Deutschlands sind. Sonne und Wind sind attraktive, emissionsfreie Ressourcen, aber ihre Verfügbarkeit schwankt. Das macht sie weniger zuverlässig, solange es keinen technologischen Durchbruch bei der Speicherung von Energie gibt, der eine zuverlässige Versorgung gewährleistet, wenn die Sonne nicht scheint und es nicht windig ist. Flüssiggas hingegen ist eine mobile, flexible Energiequelle mit relativ geringem Schadstoffausstoß, die Deutschland helfen kann, die erneuerbaren Energien weiter auszubauen und trotzdem Verlässlichkeit zu gewährleisten.

Darüber hinaus kann Flüssiggas heute Schiffe, Lastwagen und Züge antreiben. Es ist weitaus sauberer als das Schweröl, das auf vielen Schiffen verwendet wird, sodass einige Betreiber bereits auf Flüssigerdgas umstellen, um höhere Emissionsstandards zu erfüllen. Im Vergleich zu Dieselmotoren kann Flüssiggas die Feinstaubemissionen auf der Schiene und der Straße um zwei Drittel oder mehr reduzieren.

Zwar sind die Kosten anfangs höher, aber bei vielen Fuhrunternehmen haben sich die Investitionen aufgrund von Kraftstoffeinsparungen in weniger als drei Jahren amortisiert – bei gleichzeitiger Reduzierung der Luftverschmutzung.

Innovationen und Technologie haben die Flüssiggasexporte der Vereinigten Staaten schnell wachsen lassen. Die Verflüssigung von US-Erdgas, die sein Volumen nahezu um den Faktor 1 000 abnehmen lässt, ermöglicht Industrie und Verbrauchern einen erschwinglichen Zugang zu dieser Energiequelle, wobei die Kosten und Auswirkungen des Baus neuer Pipelines wegfallen. Daher wurde das US-Angebot schnell ausgebaut.

Ein ebenso wichtiger Faktor ist die technische Kompetenz im amerikanischen Öl- und Gassektor, die für mehr Effizienz bei der Förderung von Erdgas und im Hinblick auf die Technik der Umwandlung in Flüssiggas sorgt. Folglich sinken die Kosten, und mit einer Fortsetzung dieser Entwicklung ist zu rechnen. Obwohl Energiesicherheit zuweilen mit Kosten verbunden ist, halten die USA weiter an transparenten, fairen und offenen Märkten fest. Wir stehen voll und ganz hinter dem westlichen Wirtschaftssystem und sind bereit, den europäischen Energiebedarf zu decken und uns im Wettbewerb mit anderen, undurchsichtigeren Versorgern zu behaupten.

Deutschland hat zwar, anders als einige seiner Nachbarn, bisher keinen LNG-Terminal, allerdings werden gerade einige Projekte geprüft, die ihm Zugang zu dieser Energiequelle ermöglichen würden. Letztlich wird der Markt bestimmen, aus welchen Quellen Energie bezogen und wie sie genutzt wird. Der öffentliche Sektor kann als Katalysator dafür dienen, wie Flüssiggas entwickelt und vertrieben wird. Deshalb unterstützen wir die in gemeinsamem Interesse der EU liegenden Vorhaben, die Vielfalt fördern, beispielsweise LNG-Terminals und die verbindende Infrastruktur.

Amerika-DienstDie globale Energielandschaft hat sich verändert, und Flüssigerdgas ist jetzt ein entscheidender Bestandteil dieser Landschaft. In den letzten zehn Jahren haben die Vereinigten Staaten ihre CO2-Emissionen und ihre Abhängigkeit von Energieimporten reduziert, während gleichzeitig die Wirtschaft wuchs. Das war zu einem Großteil dem Erdgas zu verdanken. Durch Flüssigerdgas kann Europa am Energiereichtum der Vereinigten Staaten teilhaben und seine Energiesicherheit erhöhen.

Dieser Beitrag erschien am 13. September 2018 im Handelsblatt.

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